Wie kann ich meinen emotionalen Fingerabdruck verändern? (3/3)

Teil III: Der Selbsttest – In welcher Dimension habe ich welche emotionale Stärke?

Jeder reagiert anders auf emotionale Auslöser, und von „den meisten Menschen“ oder einem „Durchschnittstyp“ zu reden geht völlig am Ziel vorbei. Das Wissen um die persönliche Eigenart müsste jeden Einzelnen dazu bringen, sich dem klassischen Imperativ „Erkenne dich selbst“ zu stellen.

Die Erkundung menschlicher Verhaltensweisen, Gedanken und Emotionen kommt nicht ohne den Blick auf den Einzelnen aus. Es ist vielmehr so, dass ein herausragendes Charakteristikum von Emotionen gerade in deren individueller Verschiedenartigkeit besteht.

Weder eine durchschnittliche Ausprägung noch eine extreme Ausprägung ist per se als gut oder schlecht zu bewerten. Im wirklichen Leben schaffen häufig Menschen mit außergewöhnlichen Kombinationen extremer Ausprägungen außergewöhnliche und einzigartige Lebensleistungen.

Eine Beschränkung auf den Durchschnitt, wie sie nicht nur in vielen Berichten, sondern auch vielen Studien gang und gäbe ist, birgt das Risiko, einige hochinteressante Phänomene zu übersehnen, die gerade in den Extremen zu finden ist.

Wie im Teil I erläutert stellt jede der sechs Dimension ein Kontinuum dar: Überprüfen Sie, ob Sie mit ihren Reaktionen am einen oder anderen Extrem des Spektrums liegen, oder irgendwo in der Mitte der Skala. Mit den folgenden Zustandsbeschreibungen erhalten Sie Anhaltspunkte für eine „geringe Ausprägung“ eine „mittlere Ausprägung“ und eine „hohe Ausprägung“.

Das Wichtige und Interessante ist, dass Sie sich nicht situationsabhängig in unterschiedlichen Ausprägungen einer Dimension befinden können. Eine Person ist stabil in allen Situationen einer bestimmten Ausprägung zuzuordnen.

Manche der Bewertungen bedürfen lediglich einer gewissen Einsicht und Ehrlichkeit den eigenen Verhaltensweisen und Gefühlen gegenüber. Andere laden nicht in gleichem Maße zur Selbstbeobachtung ein. Deshalb ist es empfehlenswert, wenn Sie sich nicht nur für sich allein hinsetzen und eine Selbsteinschätzung vornehmen, sondern Ihre Einschätzung zusätzlich einem vertrauten Menschen zeigen. Auf diese Weise können Sie gut überprüfen, ob Ihre Selbsteinschätzung realistisch ist.

 

Wie resilient bin ich?

  • Ich bin bei Auseinandersetzungen schnell gereizt und kann mich oft erst nach Stunden wieder beruhigen.
  • Ich lasse mich leicht aus der Bahn werfen und neige dazu mich wegen Anlässen aufzuregen und aufzureiben, die unwichtig oder längst vergangen sind.
  • Kritik – auch konstruktive – halte ich nur schwer aus. Oft grüble ich tagelang darüber nach und zweifle an mir.
  • Habe ich Streit mit einem Kollegen, dann fühle ich mich schlecht, bis wir den Konflikt klären können.
  • Ich kann Ärger schnell loslassen und habe Vertrauen, dass sich schon eine Lösung finden wird.
  • Das was war ist nicht mehr zu verändern, ich richte meinen Blick immer in die Zukunft.
  • Ich bin dankbar für konstruktive Kritik.
  • Ich bin immer gefasst, egal was kommt.
  • Gefühle zeigen bedeutet Schwäche.
  • Ich kann mich auch in Situationen, wenn andere tagelang jammern oder trauern, nach kurzer Zeit wieder auf mein Tagesgeschäft konzentrieren.

Welche Grundeinstellung habe ich?

  • Ich habe Angst vor der Zukunft und Veränderungen in meinem beruflichen und privaten Umfeld. Ich hoffe, dass alles möglichst lange so bleibt, wie es heute ist.
  • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nichts gibt, was ich ändern könnte.
  • Ich habe auch akzeptiert, dass ich einfach so bin, wie ich bin.
  • Ich muss damit leben, wie es ist.
  • Ich bin gespannt auf die nächsten 10 Jahre und die Überraschungen, die das Leben für mich bereithält.
  • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in der Regel immer Alternativen gibt, und ich bei Problemen einfach eine andere Herangehensweise wähle.
  • Es liegt in meiner Hand, mein Leben zu ändern und lebenswert zu machen.
  • Ich begegne Rückschläge mit der Einstellung „ich habe immer eine zweite Chance und werden aus meinen Fehlern lernen“.
  • Egal was kommt, es wird immer gut werden.
  • Ich habe keine Sorgen – auch sollte ich den Arbeitsplatz verlieren, oder krank werden – die Sonne geht jeden Tag wieder auf.

Wie stark ist meine soziale Intuition?

  • Ich ernte häufig Kritik für mein Verhalten oder etwas, das ich gesagt habe.
  • Treffe ich andere Menschen, dann stehe ich gerne sofort im Mittelpunkt und möchte möglichst viel von mir erzählen.
  • Ich bin überzeugt, dass Gefühle und Geschäft nicht zusammenpassen, am Ende zählt nur das Ergebnis.
  • Mir ist egal, was meine Kollegen denken, ich erwarte einfach, dass sie das tun, was ich sage.
  • Ich merke schnell, wenn sich jemand nicht wohlfühlt und mit dem Kopf ganz woanders ist.
  • Es fällt mir leicht, mich in die Lage meines Gegenübers zu versetzen.
  • Ich bin überzeugt, dass nachhaltig gute Resultate auf einem dauerhaft fairen und wertschätzenden Umgang miteinander basieren.
  • Ich lege Wert auf eine offene Kommunikation und Feedback.
  • Ich spüre die Sorgen und Ängste meines Gegenübers so stark, dass ich seelische und körperliche Schmerzen empfinde.
  • Ich fühle mich ausgebrannt, da ich täglich mit Menschen (z.B. Patienten) zu tun habe, die meine ganze Energie und Hilfe benötigen.

Wie gut kann ich mich selbst wahrnehmen?

  • Ich blende Kopfweh oder andere körperlichen Symptome systematisch aus.
  • Die ewig gleichen Hinweise „ich arbeite zu viel, trinke zu wenig, mache zu wenig Sport“ aus meinem privaten Umfeld nerven mich – ich bin leistungsfähig.
  • Ich reiße mich zusammen, wenn es mir schlecht geht – die Arbeit geht immer vor.
  • Wenn ich gefragt werde, ob ich wütend oder ungeduldig bin, oder einen schlechten Tag habe, dann verstehe ich oft nicht, wie mein Gegenüber darauf kommt.
  • Ich kenne die kritischen Situationen, Anschuldigungen oder Argumente, die mich emotional in Rage bringen.
  • Beim Sport spüre ich sofort, wenn ich übertreibe und schalte lieber einen Gang runter.
  • Ich gönne mir regelmäßig Auszeiten (z.B. Sauna, Spaziergang, ...), um meinen Körper zur Ruhe kommen zu lassen.
  • Ich verbringe gerne Zeit mit mir allein und mache Achtsamkeitsübungen oder lasse meinen Gedanken freien Lauf.
  • Ich weiß genau, was mein Körper verträgt – wenn ich davon nur geringfügig abweiche, dann spüre ich dies noch Tage später.
  • Ich spüre die negativen Auswirkungen von Erdstrahlen oder elektromagnetische Felder in meiner Umgebung.

Wie sensibel bin ich unter anderen Menschen?

  • Ich sage immer, was ich denke, auch wenn ich andere dadurch verletze oder verärgere.
  • Andere werfen mir oft vor, dass ich impulsiv und unangemessen deutlich meine Meinung sage. Ich verstehe gar nicht warum.
  • Wenn ich mich auf einer Veranstaltung mit jemandem unterhalte, dann bin ich ganz auf mein Gegenüber fokussiert und blende mein Umfeld völlig aus.
  • Wenn ich Vorschriften (Verkehrsregeln, Organisationsanweisungen,…) für mich als sinnlos erachte, dann setze ich mich einfach darüber hinweg.
  • Ich bin eher zurückhaltend und versuche mir erst einmal ein Bild von der Situation zu machen.
  • Ich verkneife mir die eine oder andere Bemerkung.
  • In der Öffentlichkeit rede ich über private oder berufliche Dinge automatisch leiser.
  • Mir ist es wichtig, die geltenden Regeln und Vorschriften im Rahmen meiner Möglichkeiten einzuhalten.
  • Ich fühle mich in ungewohnten Umgebungen sehr unwohl.
  • Ich bin sehr schüchtern. Wenn es sich schon nicht vermeiden lässt, mich in einem unbekannten Umfeld zu bewegen, dann nehme ich zumindest zu niemandem Kontakt auf.
  • Ich fühle mich extrem unwohl, wenn ich irgendetwas nicht vorschriftsmäßig machen kann.
  • Wenn es Gesetze oder Normen gibt, dann müssen diese eingehalten werden. Ob das sinnvoll ist oder nicht, habe ich nicht zu beurteilen.

Wie stark kann ich mich auf eine Sache konzentrieren?

  • Private Probleme lenken mich oft von der Arbeit im Büro ab.
  • Aufgrund von Nachrichten auf meinem Handy unterbreche ich häufig begonnene Aufgaben.
  • Sobald ich mehrere Sachen gleichzeitig bewältigen muss, mache ich Flüchtigkeitsfehler.
  • Führe ich ein wichtiges Gespräch, bin ich ganz auf mein Gegenüber konzentriert und blende alles andere aus.
  • Nehme ich mir etwas vor, setze ich es auch in die Tat um und befreie mich von störenden Einflüssen.
  • Muss ein Projekt fertig werden, dann nehme ich mir gezielt Zeit und Raum dafür.
  • Ich bin in der Lage, meine Aufmerksamkeit nicht nur einer Sache zu widmen, sondern Beruf, Familie und Gesundheit ausgewogen Fokus zu schenken.
  • Wenn ich an meinem Lieblingsthema arbeite, dann vergesse ich Zeit und Raum.
  • Ich arbeite seit langem an der Umsetzung meines Traums. Ich habe nur noch wenige soziale Kontakte, da ich meine ganze Aufmerksamkeit, meine Zeit und volle Energie für dieses eine Ziel einsetze.

Übertragen Sie Ihre Selbsteinschätzung aus den Zustandsprofilen in die Spinnengrafik, um Ihr persönliches emotionales Profil zu visualisieren.

Fazit

Wie auch immer Ihr emotionales Profil aussehen mag: es zu kennen ist der erste Schritt, um zu verstehen, wie es sich im gesundheitlichen und zwischenmenschlichen Bereich für Sie auswirkt, und um zu entscheiden, ob Sie Ihre Position womöglich in irgendeiner der sechs Dimensionen nach rechts oder links verschieben möchten. Dass diese Veränderung durchaus möglich ist, wurde im Teil II beschrieben.

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