Zustände im Unternehmen sind nichts grundsätzlich Neues. Ein Zustand ist im Unternehmen ein geläufiger
Begriff, der eindeutig und einheitlich interpretiert wird. Ein Zustand ist im Unternehmen ein aussagekräftiger
und bedeutungsstarker Begriff, der die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter auf sich zieht. Jeder im Unternehmen
weiß, oder glaubt zu wissen, was ein Zustand ist, was Zustände sind. Zustände sind in der Wahrnehmung der
Mitarbeiter mit dem Wohl und Wehe des Unternehmens verknüpft. Ein Zustand im Unternehmen ist eine Ausprägung
eines Sachverhalts im Unternehmen. Der Begriff Sachverhalt drückt aus, wie es sich mit einer Sache verhält. Die
Sache kann auch eine Person sein. Person und Sache kommen in der Einzahl oder in der Mehrzahl vor. Personen und
Sachen kommen auch zusammen vor. Ein solcher Sachverhalt kann das ganze Unternehmen, ein einzelner Prozess, wie
der Führungsprozess, oder ein einzelnes Teil des Unternehmens, wie die Unternehmensführung sein. Zustände sind
dann Ausprägungen des Unternehmens, Ausprägungen eines Prozesses, oder Ausprägungen der Unternehmensführung. Ein
Sachverhalt ist (Beispiel): "Die Unternehmensführung". Eine Ausprägung des Sachverhalts ist (Beispiel): "Die
Unternehmensführung führt nicht." Diese Ausprägung des Sachverhalts ist ein Zustand des Sachverhalts. Anstelle von
Sachverhalt kann auch der Begriff des Systems gebraucht werden. Wegen der Praxisnähe und der Anschaulichkeit des
Begriffs Sachverhalt wird dieser gegenüber dem Begriff System bevorzugt gebraucht.
Ein Zustand wird mit Worten beschrieben: "Die Unternehmensführung führt nicht." Ein Zustand wird mit Worten bewertet:
"Die Unternehmensführung ist schlecht." Ein Zustand wird gerne und oft polarisierend in den Kategorien schwarz und
weiß oder gut und schlecht beschrieben und bewertet: "Es gibt gute und es gibt schlechte Zustände im Unternehmen."
Ein Zustand ist als Begriff oft negativ belegt: "Was für Zustände sind das hier im Unternehmen!" Ein Zustand wird
mit einem Bild verknüpft: "Den Zustand behalten wir im Blick." Manche Zustände werden als unwirklich und imaginär, aber
durchaus attraktiv gesehen: "Wir träumen von paradiesischen Zuständen im Unternehmen." Ein Zustand kann verändert
werden: "Der Zustand muss geändert werden." Ein Zustand kann gemanagt werden: "Wir müssen diese Zustände in den Griff
kriegen." Ein Zustand kann verbessert werden: "Wir werden den Zustand verbessern." Ein Zustand wird unter die
Verantwortung einer Person gestellt: "Wer ist für diesen Zustand verantwortlich?" Ein Zustand wird an bestimmten
Merkmalen des Sachverhalts festgemacht: "Der Zustand der Dokumentation entspricht nicht den Anforderungen."
Für Zustand gibt es viele bedeutungsähnliche Begriffe. Die am häufigsten gebrauchten Synonyme von Zustand sind Lage,
Stand, Status, Verfassung, Beschaffenheit und Situation. Sie werden nahezu bedeutungsgleich verwendet. Entsprechende
Zustände werden wie folgt ausgedrückt: "Die Lage des Unternehmens ist kritisch." "Der Stand der Dinge bleibt hinter
den Erwartungen zurück." "Der Status des Prozesses ist "rot"." "Die Verfassung der Mitarbeiter ist schlecht." "Die
Beschaffenheit der Anlage ist bedenklich." "Die Situation ist unangenehm."
Zustand ist in vielen anderen Sprachen ein Begriff mit derselben Bedeutung, wie in der deutschen Sprache. Das englische
Wort für Zustand ist "state" und kommt beispielsweise in der Redewendung "state of the art" mit den Bedeutungen
"Stand der Technik", "Stand des Wissens", "Stand des Könnens" und "Stand der Praxis" vor. Das französische Wort für
Zustand ist "état" und kommt beispielsweise in der Redewendung "être en bon état" mit der Bedeutung "in gutem Zustand
sein" vor. Zustand wird oft konkretisiert und präzisiert durch Bezug zu einem Kontext, durch ein Merkmal oder durch ein
Attribut. Solche Beispiele sind: "Entwicklungszustand, Ordnungszustand, Betriebszustand, Zustand der Reife, Zustand der
Transparenz, finanzieller Zustand, sozialer Zustand, usw."
Zustände sind im Unternehmen überall dort, wo Sachverhalte sind. Alle Sachverhalte im Unternehmen haben immer
irgendwelche Ausprägungen und sind damit immer in irgendwelchen Zuständen. In dieser Bestandsaufnahme von Zuständen
kommt ein intensiver und gewachsener Gebrauch dieses Begriffs und seiner bedeutungsverwandten Synonyme zum Ausdruck.
Dieser Gebrauch ist bisher wenig definiert und wenig geordnet. Der aktuelle Gebrauch von Zuständen ist daher eher
zufällig ohne System und schon gar nicht im Rahmen einer Methode.
Die Unternehmensführung hat Zustände bisher nicht Blick und nicht im Griff.
Für die Unternehmensführung ist ein Zustand eine Information. Ein Zustand informiert über die Ausprägung eines Sachverhalts
des Unternehmens. Die Information beschreibt und bewertet die Ausprägung. Ein Zustand ist relevant, wenn der Sachverhalt
relevant ist und wenn die Ausprägung relevant ist. Information über Zustände im Unternehmen finden überall im Unternehmen
besondere Beachtung. Über Zustände im Unternehmen wird geredet. Das geschieht vielfach implizit und ohne den Begriff
Zustand direkt und bewusst zu nutzen. Es sind neben dem Begriff des Zustands auch die vielen genannten Synonyme von Zustand
im Gebrauch. Dabei geht es um Berichte zur Lage des Unternehmens, Reports zu Eigenschaften von Prozessen, den Status von
Aktivitäten, den Stand eines Projekts, dem Grad einer Reife, den Fortschritt einer Entwicklung und Analysen zur Situation von
Märkten. Die Unternehmensführung nutzt den Begriff Zustand und seine Synonyme, um relevante Sachverhalte im Unternehmen zu
beschreiben und zu bewerten. Sie macht sich mit den Zuständen ein Bild von Sachverhalten. Sie hat bei der Vielfalt der Zustände
offenbar keine systematische Methodik, welche Zustände im Blick zu behalten sind, und welche Zustände im Griff zu behalten sind.
Zustände werden sehr schnell beurteilt, in "schlechte" und "gute" Zustände differenziert und entsprechend behandelt. Auf die
Wahrnehmung von Zuständen wird im Unternehmen reagiert. Ein "schlechter Zustand" eines Sachverhalts des Unternehmens gibt Anlass
für eine Verbesserung. Ein "guter Zustand" eines Sachverhalts des Unternehmens ist eine plausible und nachvollziehbare Ursache für
die Effektivität und Effizienz der Erzielung von Ergebnissen im Unternehmen. Das Verständnis von Zuständen im Unternehmen ist zwar
anschaulich und intuitiv entwickelt, aber doch nur im Ansatz systematisch vorhanden. Die Information der Zustände liegt weitgehend
brach. Die Möglichkeiten, diese Informationen zu nutzen, brauchen eine Systematik.
Zustände sind für die Unternehmensführung qualitativ eine relevante Art und quantitativ eine beträchtliche Menge von Informationen
über Sachverhalte und ihre Ausprägung im Unternehmen. Bisher hat die Unternehmensführung dieses Reservoir an Information weder
praktisch noch theoretisch und schon gar nicht systematisch erschlossen.