Zielorientierung
Ein planerisches Vorgehen zum Erfolg

Klassische Planung beruht darauf, mit Vergangenheitsdaten die Zukunft hochzurechnen. Dabei wird versucht, möglichst viele ZusammenhÀnge und bekannte Regeln in das Rechenwerk einzubringen. Ein moderneres Beispiel fÌr einen solchen Planungsansatz ist zum Beispiel die "Predictive Analytics" im Rahmen von Business Intelligence-Softwarelösungen. Auch wenn die dahinterstehende Vorgehensweise scheinbar sehr ausgefeilt ist, hat sie doch einen entscheidenden Nachteil: Planung wird aus der Vergangenheit heraus betrieben.

Erfolgversprechender ist ein Ansatz, den bereits Frederic Vester 1980 in seinem Buch "Neuland des Denkens" beschrieben hat: Ausgehend von einem klaren Bild der erwᅵnschten Zukunft werden ᅵberlegungen angestellt, was und wie geᅵndert werden muss, um dieses Zukunftsbild, diesen zukᅵnftigen Zustand, zu erreichen. Dabei geht es um Verhaltensweisen und Prozesse, und wie sie heute und morgen geᅵndert werden mᅵssen. Der entscheidende Unterschied: Planung wird aus der Zukunft abgeleitet betrieben.

Die mannigfachen Vorbehalte gerade in mittelstᅵndischen Unternehmen gegenᅵber systematischer Planungsarbeit erfordern ein Umdenken. Die Einfᅵhrung einer systematischen Planung kann nur in Schritten entsprechend dem Reifegrad erfolgreich sein und positive Wirkungen entfalten. Zuerst muss das grundlegende Verstᅵndnis und Vertrauen gegenᅵber dem neuen Planungsansatz gewonnen werden, dann ein Stufenplan fᅵr die Umsetzung erarbeitet werden. Im nachfolgenden Artikel werden zunᅵchst die Denkweisen und Prinzipien des neuen Planungsansatzes erlᅵutert, im zweiten und dritten Abschnitt der Bezug zum Reifegrad der Fᅵhrungskultur hergestellt, zusammen mit Vorschlᅵgen fᅵr unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Einfᅵhrung. Zum Schluss werden die Vorteile der neuen Vorgehensweise zusammengefasst.

Planung aus der Zukunft ableiten statt aus der Vergangenheit

In vielen Unternehmen unterschiedlicher Grᅵᅵenordnung wird Planung als notwendiges ᅵbel betrachtet und betrieben. Insbesondere in mittelstᅵndischen Unternehmen wird geplant, damit Zahlen fᅵr die Bank vorgelegt werden kᅵnnen und Auditoren aller Art geforderte Unterlagen erhalten. Mit mehr oder weniger altbekannten Methoden werden die Zahlen der Vergangenheit auf die Zukunft hochgerechnet. Dabei versucht man, die in der Vergangenheit gewonnenen Erfahrungen in Regeln zu fassen und diese Regeln auf die Hochrechnungen anzuwenden. Fᅵr dieses Vorgehen gibt es eine sehr anschauliche und drastische Kritik: Anstelle durch die Frontscheibe des Autos sein Ziel im Auge zu behalten, schaut man in den Rᅵckspiegel und versucht, aus der bisher gefahrenen Strecke den kᅵnftigen Kurs abzuleiten.

Auch noch so ausgefeilte neuere Methoden wie zum Beispiel die "Predictive Analytics" im Rahmen von Business Intelligence-Softwarelᅵsungen lᅵsen nicht diesen grundsᅵtzlichen Konflikt. Auch eine grundsᅵtzliche Orientierung an der Gegenwart, reprᅵsentiert durch extrem zeitnahes Reporting der Geschᅵftszahlen, im Bild vergleichbar dem stᅵndigen Blick aus der Seitenscheibe auf den Fahrbahnrand, ist zwar fᅵr die aktuelle Steuerung hilfreich und notwendig, bringt aber keine Substanz fᅵr eine mittel- oder langfristige strategische Planung.

Nun ist es nicht so, dass man aus der Vergangenheit nichts lernen kᅵnnte, eine treffende Analyse der Vergangenheit und die realistische Einschᅵtzung der Gegenwart liefern immer den Bezugspunkt fᅵr die Planung. Die wirklich wichtigen Impulse kommen aber aus der Zukunft. Nur wer bereit ist, sich ein klares Bild von den angestrebten kᅵnftigen Zustᅵnden zu machen, wird erfolgreich planen lernen. Frederic Vester ᅵberschreibt in seinem Buch "Neuland des Denkens" [1] ein Kapitel mit ᅵAus der Zukunft fᅵr die Vergangenheit lernenᅵ. Er beschreibt darin unter anderem zwei grundsᅵtzliche Wege des Planen und Handelns. Der erste Weg, der herkᅵmmlich genommen wird, ist von der Vergangenheit bestimmt. Man handelt, wenn ein Problem aufgetreten ist - mit der Folge, dass als Lᅵsung eigentlich nur noch Korrekturen mᅵglich sind. Er nennt folgende Beispiele:
  • Wenn die Universitᅵten voll sind, schafft man einen Numerus clausus.
  • Wenn Abgase uns krank machen, geht man an die Umweltschutzgesetze.
  • Wenn die Energie knapp wird, ᅵberlegt man sich Sparmaᅵnahmen.
Die Ursache des Handelns wᅵrde dabei jeweils in bereits geschehenen Vorgᅵngen liegen. Die zu ergreifenden Maᅵnahmen lieᅵen kaum noch eine Freiheit und wᅵrden damit gleich wieder die kᅵnftige Entwicklung festlegen, die sich damit wieder aus der Vergangenheit ergibt.

Der andere Weg wᅵre, das Planen von der Zukunft her bestimmen zu lassen, von Ereignissen - erwᅵnschten oder unerwᅵnschten - auszugehen, die noch nicht stattgefunden haben. Frederic Vester charakterisiert dies als das erfolgreichere, weil kybernetische Modell. In der Netzplanung stelle man zum Beispiel ein in der Zukunft mᅵgliches Problem dar und fragt sich, wie man es vermeiden kᅵnnte. In einer Art Zeitumkehr wᅵrde man sich schrittweise rᅵckwᅵrts bewegen, bis man bei der heutigen Situation angekommen sei.

Anstelle Symptome zu kurieren, setzt man sich systematisch mit den Ursachen auseinander und analysiert dabei, welche Verhaltensweisen und Prozesse geᅵndert werden mᅵssen, damit sich die gewᅵnschten Zukunftsvorstellungen, die gewᅵnschten Zustᅵnde in der Zukunft einstellen. Abbildung 1 zeigt, wie man ausgehend von den Vorstellungen ᅵber die Zukunft, die in der Vision des Unternehmens zusammengefasst sind, schrittweise die notwendigen ᅵnderungen erarbeitet. COMMUNiC GmbH Abbildung 1: Planung aus der Zukunft heraus

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